Wie Betriebssicherheit im Brandfall fachgerecht nachgewiesen wird
Ob sicherheitsrelevante Anlagen im Brandfall weiterlaufen, wird nicht dem Zufall überlassen, sondern über geprüfte Systeme nachgewiesen. Hersteller geben genau vor, welche Kabel, Halter und Schienen zusammen eingesetzt werden müssen und welche Abstände dabei einzuhalten sind, damit auch im Brandfall alles reibungslos funktioniert. Nur wenn geprüfte Kombinationen verwendet werden, ist größtmögliche Sicherheit gewährleistet.
In der Praxis heißt das, dass Trassenführung, Befestigungen und Montagepunkte nicht frei wählbar sind, sondern die Leitungssanierung klaren Vorgaben folgt. Auch eine vollständige Dokumentation gehört dazu. Denn die Prüfunterlagen der Hersteller, Montageprotokolle und eine Fotodokumentation der relevanten Stellen zeigen nachvollziehbar, dass die Installation korrekt aufgebaut wurde und Ihre Anlagen für den Ernstfall gerüstet sind.
Was MLAR/LAR für Ihr Gebäude bedeuten
Die technischen Regeln zum Brandschutz sind unsichtbar, wirken aber im Hintergrund wie ein Sicherheitsnetz. Die MLAR (Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie) bzw. die LAR (Leitungsanlagen-Richtlinie der Bundesländer) bündeln hierbei die zentralen Vorgaben, wie Leitungen in Gebäuden verlegt werden dürfen. Ob bei Neubauten oder bei der Strangsanierung – die Leitungsverlegung MLAR ist streng zu befolgen.
Gerade in Rettungswegen wie Treppenräumen gelten strenge Regeln, weil hier jede zusätzliche Brandlast Auswirkungen auf die Sicherheit hat. Für viele Betreiber wird erst im Zuge einer Sanierung klar, dass frühere Installationen diesen Richtlinien oft nicht mehr entsprechen. Werden die Vorgaben jedoch nicht eingehalten, kann das die Abnahme gefährden und im Ernstfall sogar die Betreiberhaftung betreffen.
Eine Leitungssanierung nach E30 oder E90 im Treppenraum oder in einem notwendigen Flur stellt sicher, dass Ihre Installation den geltenden Anforderungen entspricht und Sie auf der sicheren Seite sind – technisch, rechtlich und versicherungstechnisch.
Schotts und Installationsschächte: Worauf Sie achten müssen
Installationsschächte und Wanddurchführungen wirken auf den ersten Blick unbedeutend, sind im Brandschutz aber entscheidende Schwachstellen. Jede Öffnung in einer Wand oder Decke kann im Brandfall zu einem direkten Übertragungsweg werden. Deshalb dürfen Leitungen nur durch geprüfte Brandschutzschotts geführt werden, die Feuer und Rauch für einen bestimmten Zeitraum aufhalten können. In vielen Bestandsgebäuden zeigt sich bei einer Sanierung, dass Durchbrüche ohne passende Abschottung ergänzt wurden. Dadurch sind Treppenräume als Rettungswege nicht mehr ausreichend geschützt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Rauchfreihaltung. Damit die Rettungswege möglichst rauchfrei bleiben, ist im Treppenraum und/oder in notwendigen Fluren nicht nur die Abschottung einzelner Leitungsdurchführungen erforderlich. Leitungsanlagen, die diese Bereiche queren, müssen zusätzlich vollständig abgeschottet werden. Diese Abschottung muss in Bauteilqualität F30 oder F90 ausgeführt werden, um eine Ausbreitung von Rauch und Feuer zuverlässig zu verhindern und die Rettungswege im Brandfall sicher zu machen.
Bei einer Leitungssanierung im Treppenraum oder in einem notwendigen Flur sollte entsprechend jeder Durchbruch sauber geplant, fachgerecht verschlossen und eindeutig gekennzeichnet werden – inklusive transparenter Dokumentation. So stellen Sie sicher, dass Ihr Gebäude nicht nur die aktuellen Vorgaben erfüllt, sondern im Ernstfall auch zuverlässig geschützt ist.
Wichtige Unterlagen für eine sichere Abnahme
| Dokument | Zweck und Nutzen |
| Prüfzeugnisse zum E30/E90-System | Sie zeigen, dass Kabel, Halter und Schienen als geprüftes System zusammengehören. |
| Herstellerunterlagen | Sie enthalten die verbindlichen Vorgaben zu Abständen, Befestigungen und Verlegearten. |
| Montageprotokolle | Sie belegen die fachgerechte Umsetzung der Installation nach Vorgabe. |
| Fotodokumentation | Sie hält Schotts, Abstände und Übergänge nachvollziehbar fest. |
| Kennzeichnungen im Treppenraum und an Schotts | Sie machen sichtbar, welche Leitungen im Brandfall weiterlaufen müssen. |
| Abschlussprotokoll | Es bestätigt, dass alle Arbeiten vollständig, regelkonform und abnahmefähig sind. |
Die häufigsten Planungsfehler – und wie sie zu vermeiden sind
- Ein häufiger Fehler bei einer Leitungssanierung im Treppenraum oder in einem notwendigen Flur ist eine zu späte Überprüfung, welche sicherheitsrelevanten Anlagen bei einem Brand weiterarbeiten müssen (E30/E90). Schon zu Beginn der Sanierung sollte geklärt werden, welche Systeme im Ernstfall betriebsbereit bleiben müssen und wie sie sinnvoll in die bestehende Gebäudestruktur eingeplant werden.
- Oft werden Leitungswege nicht eindeutig festgelegt, sodass Leitungen in ungeeigneten Bereichen oder durch Rettungswege geführt werden. Dies wird verhindert, indem zulässige Trassen und Brandabschnitte bereits in der Planungsphase klar definiert und dokumentiert werden.
- Ein weiterer typischer Fehler bei der Strangsanierung im Treppenraum entsteht durch die Mischverlegung von Standardkabeln mit Anlagen, die im Brandfall weiterlaufen müssen. Dadurch verliert das gesamte System seine Schutzwirkung. Dies wird verhindert, indem ausschließlich geprüfte Kabel- und Befestigungssysteme nach Herstellerangaben eingesetzt werden.
- Bei vielen Projekten treten Abnahmemängel auf, weil die Montage nicht exakt nach den geprüften Vorgaben Eine sorgfältige Ausführung nach Anleitung sowie eine konsequente Kontrolle während der Arbeiten stellen sicher, dass die Installation korrekt ist und ohne Beanstandungen abgenommen werden kann.
- Ein häufig unterschätzter Fehler ist eine unvollständige oder unklare Dokumentation. Damit keine Nachfragen oder Mängel entstehen, sollten alle Prüfunterlagen, Montageprotokolle, Kennzeichnungen und Fotodokumentationen vollständig, geordnet und nachvollziehbar übergeben werden.
Wie Sie Verzögerungen und teure Umbauten vermeiden
Eine Strangsanierung im Treppenraum oder in notwendigen Fluren betrifft nie nur die Elektrotechnik. Lüftung, Heizung, Sanitär, Trockenbau und Sprinkler nutzen oft dieselben Bereiche oder Bauteile. Wenn diese Gewerke nicht von Anfang eng zusammenarbeiten, entstehen schnell Konflikte: Trassen kollidieren mit Lüftungskanälen, Durchbrüche werden doppelt genutzt oder Befestigungspunkte sind bereits belegt. Solche Überschneidungen führen zu Verzögerungen, teuren Umbauten und im schlimmsten Fall zur Aushebelung der Brandschutzvorgaben.
Eine frühzeitige Abstimmung sorgt dafür, dass Leitungsführung, Trassenhöhen und Schotts sauber geplant werden und alle Gewerke ausreichend Platz haben. Das erleichtert die Umsetzung vor Ort und reduziert das Risiko von Fehlern deutlich.
Damit die Leitungssanierung von allen Beteiligten zuverlässig umgesetzt werden kann, brauchen die Fachfirmen klare Detailzeichnungen. Sie zeigen Befestigungsabstände, Trassenverläufe, Schotts und Mindestabstände so eindeutig, dass es auf der Baustelle keine Missverständnisse gibt. Gute Planung verhindert Fehler, spart Zeit und sorgt für eine reibungslose Abnahme. Wenn Sie einen Elektroplaner suchen, der aus der Praxis für die Praxis die Elektroinstallationen plant und umsetzt, ist IET-Berlin Ihr Experte.

