Kurz gesagt:
- Elektrotechnische Fachmodelle sollten nur die tatsächlich benötigten Informationen für den jeweiligen Projektmeilenstein liefern, um unnötige Detailtiefe zu vermeiden.
- Der Fokus liegt auf den Attributdaten wie Hersteller, Typ und Wartungsintervalle, weniger auf der geometrischen Detailgenauigkeit im Modell.
- LOIN definiert den konkreten Informationsbedarf zu einem bestimmten Zweck und Zeitpunkt, was den Modellierungsaufwand effizient steuert.
- Frühzeitige Festlegung der LOIN-Anforderungen und automatisierte Prüfungen im Projektablauf helfen, teure Nacharbeiten und Modellüberarbeitungen zu vermeiden.
- Der offene Austauschstandard IFC4.3 verbessert die disziplinübergreifende Datenkommunikation, insbesondere durch das strukturierte Datenmodell ifcElectricalDomain.
Vom LOD zum LOIN: Normen, Begriffe und Praxisrelevanz
Die klassische LOD-Skala, wie sie aus angloamerikanischen BIM-Leitfäden bekannt ist, ordnet Modellelemente in starre Reifegrade. Diese Logik wird in der aktuellen Normung durch das Konzept Level of Information Need ersetzt, das in der DIN EN ISO 7817-1 beschrieben wird. LOIN fragt nicht, wie fein ein Bauteil modelliert ist, sondern welchen Informationsbedarf ein bestimmter Anwendungsfall zu einem bestimmten Zeitpunkt hat.
Für Elektrofachplaner bedeutet das einen Perspektivwechsel. Nicht die visuelle Feinheit eines Schaltschranks entscheidet über den Modellwert, sondern ob die zugehörigen Attributdaten korrekt in den IFC-Objekten hinterlegt sind. Der Informationsbegriff gliedert sich dabei in drei Bestandteile:
- Geometrische Information: Lage, Abmessung und Einbauort eines Bauteils.
- Alphanumerische Information: Hersteller, Typbezeichnung, Leistungsdaten und weitere Merkmale.
- Dokumentarische Information: Datenblätter, Zertifikate und Prüfprotokolle.
Eine starre LOD-Skala verlangt oft Geometrie, die zum jeweiligen Zeitpunkt niemand braucht. Die LOIN-Matrix dagegen koppelt jeden Informationsbestandteil an einen konkreten Verwendungszweck, etwa die Kostenschätzung, die Kollisionsprüfung oder die spätere Wartungsplanung.
LOIN in Projektphasen: AIA, Meilensteine und Verbindung zu HOAI
Der LOIN-Ansatz entfaltet seine Wirkung erst im Vertrag. Die Auftraggeber-Informationsanforderungen, kurz AIA, sind das Steuerungsinstrument, mit dem ein Bauherr festlegt, welche Informationen er zu welchem Zeitpunkt erwartet. LOIN wird dabei als Anhang an die AIA erstellt, aus dem sich später konkrete Prüfregeln ableiten lassen, die in BIM-Prüfsoftware importiert werden.
In der Praxis hat sich eine Staffelung entlang von fünf Meilensteinen bewährt, wie BIM Deutschland darstellt. Für ein elektrotechnisches Projekt lässt sich das grob so abbilden:
- Grundlagenermittlung und Vorplanung: grobe Topologie, erste Lastannahmen.
- Entwurfsplanung: Trassenführung, Schaltschrankstandorte, vorläufige Betriebsmittel.
- Genehmigungsplanung: belastbare Geometrie für behördliche Prüfungen.
- Ausführungsplanung: vollständige Attributdaten für Ausschreibung und Montage.
- Übergabe an den Betrieb: Wartungsintervalle, Prüfprotokolle, Anlagendokumentation.
Profi-Tipp: Legen Sie LOIN-Anforderungen schon in der Grundlagenermittlung fest, nicht erst zur Ausführungsplanung, sonst drohen teure Nachmodellierungen.
Diese Meilensteine lassen sich unmittelbar auf die Leistungsphasen der HOAI übertragen. Weil der LOIN-Anhang Vertragsbestandteil ist, bleibt er über das gesamte Projekt hinweg rechtlich verbindlich und wiederverwendbar, auch bei einem Wechsel der Fachplaner.
Checkliste: Was ein Elektrotechnik-Fachmodell liefern muss
Ein elektrotechnisches Fachmodell, das nach LOIN-Logik aufgebaut ist, muss drei Ebenen gleichzeitig bedienen. Es reicht nicht, Kabeltrassen und Schaltanlagen geometrisch korrekt zu platzieren, wenn die dazugehörigen Merkmale fehlen.
Geometrisch gehören dazu Kabeltrassen, Leitungsführungen, Schaltanlagen und die genauen Einbauorte von Verteilern, Steckdosen und Beleuchtungskörpern. Alphanumerisch sind mindestens Hersteller, Typbezeichnung, Leistungsdaten, Wartungsintervalle und eindeutige Identifikationsmerkmale zu hinterlegen, damit ein Bauteil später im Betrieb wiedergefunden werden kann. Dokumentarisch erwartet die Übergabe Datenblätter, Prüfprotokolle und Montageanweisungen.
- Geometrie: Trassen, Leitungsführung, Einbauort jedes relevanten Betriebsmittels.
- Attribute: Hersteller, Typ, Leistungsdaten, Wartungsintervall, Kennzeichnung.
- Dokumente: Datenblatt, Prüfprotokoll, Montageanweisung.
Für Elektrofachplaner ist nicht die rein visuelle Darstellung entscheidend, sondern das korrekte Einpflegen von Attributdaten in IFC-Objekte, damit die Informationen im Betrieb tatsächlich nutzbar sind.
Diese Merkmale lassen sich direkt auf IFC Property Sets abbilden, etwa auf Pset-Strukturen für elektrische Geräte. Wer dieses Mapping früh definiert, vermeidet, dass Attributdaten später händisch in ein Facility-Management-System nachgetragen werden müssen. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob ein Fachmodell im Betrieb Wert stiftet oder zur reinen Visualisierung verkommt.

IFC und Open-BIM: IFC4.3, ifcElectricalDomain und Austauschformate
Damit Elektrodaten disziplinübergreifend lesbar bleiben, braucht es ein offenes Austauschformat. IFC4.3 erweitert den bisherigen Standard um das ifcElectricalDomain, das elektrische Fachinhalte strukturiert abbildet und die Interoperabilität zwischen Elektroplanung, Architektur und TGA verbessert.
Neben der räumlichen Darstellung gehören verknüpfte Merkmale wie Hersteller, Artikelnummer, Leistungsdaten und Wartungsintervalle zu jedem Bauteil, damit ifcElectricalDomain seine Wirkung entfaltet. Dazu kommen aktuelle Normaktualisierungen: Die ISO 16739-1:2024 betrifft unmittelbar den Datenaustausch und muss beim Mapping und Export berücksichtigt werden.
- MVD und IDM übersetzen LOIN-Anforderungen in konkrete Austauschszenarien.
- IDS (Information Delivery Specification) macht LOIN-Regeln maschinenlesbar und prüfbar.
- Vor dem Export sollte jedes Modell gegen die erwarteten Property Sets validiert werden.
Praktisch bedeutet das: Ein Export, der nur Geometrie überträgt, aber keine Property Sets, erfüllt die LOIN-Anforderung nicht, selbst wenn das Modell optisch vollständig wirkt.
Qualitätssicherung: Prüfregeln, Prüfsoftware und Übergabe an den Betrieb
Aus jedem LOIN-Eintrag lässt sich eine Prüfregel ableiten. Diese Regeln sind meist dreiteilig: Sie prüfen, ob ein Merkmal vorhanden ist, ob es vollständig ausgefüllt wurde und ob es konsistent mit anderen Modellteilen bleibt, wie die Arbeitshilfe von BIM Deutschland beschreibt.
- LOIN-Anforderung formulieren: Welches Merkmal wird zu welchem Meilenstein verlangt.
- Prüfregel ableiten: Vorhandensein, Vollständigkeit, Konsistenz definieren.
- Regel in Prüfsoftware importieren und gegen das Fachmodell laufen lassen.
- Ergebnis dokumentieren und vor jeder Meilensteinübergabe erneut prüfen.
Typische Prüffälle für Elektrotechnikmodelle betreffen die Vollständigkeit von Herstellerangaben, Kollisionen mit TGA-Elementen und eine eindeutige Anschlusskennzeichnung. Zur Übergabe an den Betrieb zählen mindestens vollständige Wartungsintervalle, Prüfprotokolle und eine Anlagendokumentation mit Ladestation Aufstellgenehmigung, die ohne Rückfragen beim Planer nutzbar ist.
Profi-Tipp: Prüfen Sie Elektrofachmodelle nicht nur zur Meilensteinabgabe, sondern kontinuierlich, dann fallen fehlende Attribute früh auf, statt kurz vor der Übergabe teuer nachgepflegt werden zu müssen.
Praxis-Perspektive: typische Fallstricke und Best Practices bei LOIN
In der Praxis scheitert die Umsetzung selten an der Normierung selbst, sondern an zu viel Geometrie und zu wenig Attributstruktur. Planer modellieren oft detailreich, lassen aber Pflichtfelder wie Wartungsintervall oder Hersteller leer, weil die AIA diese Erwartung nicht klar formuliert hat. Wer LOIN früh im Projekt festlegt, das Property-Set-Mapping vorab klärt und automatisierte Prüfungen fest in den Projektablauf einbaut, vermeidet die teuersten Nacharbeiten.
Nicht die Modelltiefe entscheidet über den Projekterfolg, sondern ob die verlangte Information zur richtigen Zeit verlässlich vorliegt.
— Alexander Blau
IET-Berlin: Unterstützung bei AIA, Fachmodellierung und Übergabe
Unterstützung bei der Formulierung von AIA- und LOIN-Anhängen, der elektrotechnischen Fachmodellierung und der Definition passender Prüfregeln ist möglich.

- Grundlagenermittlung mit klar definierten Informationsanforderungen von Beginn an.
- Ausführungsplanung mit vollständigen Attributdaten für Ausschreibung und Montage.
- Objekt- und Bauüberwachung bis zur geordneten Übergabe an den Betrieb.
Dies kann Nachträge reduzieren, die Übergabe der Betriebsmitteldaten erleichtern und für einen klar umrissenen Vertragsumfang sorgen. Wer ein Projekt mit LOIN-gerechten Elektrofachmodellen plant, findet den passenden Einstieg auf der Seite zur Grundlagenermittlung.
FAQ
Für was steht LOD?
LOD steht für Level of Development und beschreibt ursprünglich die Reifegrad- oder Detailstufe eines Bauteils im Modell. In der aktuellen Normung wird dieser Begriff zunehmend durch das zweckorientierte Konzept Level of Information Need ergänzt beziehungsweise ersetzt.
Was ist LOIN?
LOIN steht für Level of Information Need und legt fest, welche geometrischen, alphanumerischen und dokumentarischen Informationen zu einem bestimmten Zeitpunkt und für einen bestimmten Zweck benötigt werden. Die Norm dazu ist die DIN EN ISO 7817-1.
Wie unterscheidet sich LOIN von klassischen LOD-Stufen?
LOD ordnet Bauteile in starre Detailstufen, LOIN fragt dagegen nach dem konkreten Informationsbedarf eines Anwendungsfalls. Dadurch vermeidet LOIN unnötige Modellierung und richtet den Aufwand gezielt auf das aus, was ein Meilenstein tatsächlich verlangt.
Wie werden LOIN-Anforderungen vertraglich festgelegt?
LOIN wird in der Regel als Anhang an die Auftraggeber-Informationsanforderungen erstellt und ist damit Vertragsbestandteil. Diese Struktur lässt sich direkt zur Ableitung von Prüfregeln für die Modellprüfung nutzen.
Welche Rolle spielt IFC4.3 für die Elektrotechnik?
IFC4.3 enthält mit dem ifcElectricalDomain eine strukturierte Abbildung elektrischer Fachinhalte, die den disziplinübergreifenden Datenaustausch verbessert. Das erleichtert die Interoperabilität zwischen Elektroplanung, Architektur und Gebäudetechnik.
Quellen
- Fachaustauschserie 2025 „Die DIN EN ISO 7817-1: Eine Erläuterung der Norm zum Thema LOIN“ | BIM Deutschland
- IFC4.3 für die Infrastruktur | buildingSMART Deutschland
Wichtige Normen, Leitfäden und weiterführende Links
Die folgenden Quellen vertiefen Normung, Prüfpraxis und Austauschformate rund um LOIN und IFC.
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