Kurz gesagt:
- Das projektspezifische IDS sollte für aktive Geräte Nennspannung, Nennstrom und IK-Code sowie bei Transformatoren Vektorgruppe und Kurzschlussspannung als Pflichtangaben festlegen.
- Definieren Sie das IDS-Profil vor Beginn der Fachplanung, testen Sie den Export an einer kleinen Stichprobe und bearbeiten Sie Abweichungen über modellverknüpfte BCF-Meldungen.
- Für Mengenermittlung und Betrieb zählt vollständige Attributtiefe mehr als detailreiche Geometrie; begrenzen Sie den geometrischen Detailgrad auf den Koordinationsbedarf des jeweiligen Projekts.
- IDS-Prüfungen erkennen fehlende Pflichtfelder und Raumzuordnungen früh; ohne eindeutige Räume lassen sich Kabellängen und Geräteanzahlen nicht automatisiert je Geschoss ermitteln.
- Für die Koordination empfiehlt sich häufig die Referenzierung von Teilmodellen statt des direkten Einlesens, damit Änderungen nachvollziehbar bleiben und nicht unbemerkt überschrieben werden.
Wichtige IFC-Klassen und Property Sets für die Elektrotechnik
Wer elektrotechnische Anlagen in IFC4.3 abbildet, kommt an bestimmten Klassen nicht vorbei. Transformatoren werden als IfcTransformer geführt, Verteilerkomponenten als IfcDistributionElement, Kabeltrassen als IfcCableSegment und Anschlusspunkte als IfcDistributionPort. Diese Klassen allein sagen jedoch wenig aus, wenn die zugehörigen Eigenschaftssätze fehlen.
Genau hier setzt Pset_ElectricalDeviceCommon an: Es definiert Eigenschaften wie RatedCurrent, RatedVoltage, IK_Code und PhaseReference für elektrische Geräte. Ohne diese Werte bleibt ein Schaltschrank im Modell eine leere Hülle, mit der ein Betreiber später wenig anfangen kann.
Für Transformatoren gilt Pset_TransformerTypeCommon als maßgebliches Pset. Es führt Attribute wie PrimaryApparentPower, TransformerVectorGroup und ShortCircuitVoltage, die für Planung und späteren Betrieb unverzichtbar sind.
Zur Systemkennzeichnung dient das Pset_DistributionSystemTypeElectrical, das Angaben wie ElectricalSystemType oder MaximumAllowedVoltageDrop trägt und damit Netzformen wie TN-S oder TN-C eindeutig dokumentiert.
Diese Attribute sollten in jedem elektrotechnischen IFC-Modell vorhanden sein:
- RatedVoltage und RatedCurrent für jedes aktive elektrische Bauteil
- IK_Code zur Dokumentation der Schlagfestigkeit von Gehäusen
- EarthingStyle zur eindeutigen Zuordnung der Erdungsart
- TransformerVectorGroup und ShortCircuitVoltage bei Transformatoren
- ElectricalSystemType zur Kennzeichnung des Verteilungssystems
Austausch-Workflows: IFC, MVD/IDS und BCF praktisch einsetzen
Ein belastbarer Datenaustausch beginnt nicht beim Export, sondern bei der Definition. Zuerst legen Projektbeteiligte fest, welche Klassen und Eigenschaften verpflichtend sind, etwa im Rahmen eines FGK-300-Szenarios für die Mengenermittlung. Diese Festlegung erfolgt über ein IDS/MVD-Profil, das als prüfbare Vorgabe dient und nicht als unverbindliche Empfehlung im Pflichtenheft verschwindet.
Die praktische Umsetzung folgt einer festen Reihenfolge:
- Workshop mit allen Fachplanern zur gemeinsamen IDS-Definition vor Projektstart
- Testexport mit einer kleinen Stichprobe, um Attributvollständigkeit zu prüfen
- Automatisierte IDS-Validierung gegen das vereinbarte Regelwerk
- Korrekturschleifen über BCF-Issues, die direkt an Modellpositionen verknüpft sind
- Finaler Liefercheck vor der Übergabe an Koordination oder Facility Management
Beim Export selbst entscheidet sich, ob Teilmodelle sinnvoll sind oder ein Gesamtmodell übergeben wird. Für die Koordination empfiehlt sich häufig die Referenzierung statt eines nativen Imports, da Änderungen so nachvollziehbar bleiben. Die Arbeitshilfe Datenaustausch beschreibt diese Praxisregeln für Import, Export und Referenzierung ausführlich.
BCF hat sich als Standard für Fehlermeldungen und Koordinationsaufgaben etabliert, weil Issues mit konkreten Kamerapositionen im Modell verknüpft werden und sich so direkt in Ticketsysteme überführen lassen.
Profi-Tipp: Definieren Sie das IDS-Profil schriftlich, bevor die erste Fachplanung mit der Modellierung beginnt, denn eine nachträgliche Attributnachrüstung kostet in der Praxis mehr Zeit als die vorgezogene Abstimmung.
LOD und LoI: Welche Informationsdichte braucht ein Elektromodell?
LOD beschreibt den geometrischen Detaillierungsgrad eines Bauteils, LoI dagegen die Tiefe der hinterlegten Information. Eine Steckdose kann geometrisch einfach bleiben und trotzdem vollständige elektrische Attribute tragen. Ein Schaltschrank benötigt oft nur eine grobe Hülle, dafür aber präzise Werte zu Nennstrom, Absicherung und Systemzuordnung. Beim Transformator zahlt sich detaillierte Information über ShortCircuitVoltage und Vektorgruppe mehr aus als ein fotorealistisches Gehäuse.

Für die Elektrotechnik gilt deshalb ein pragmatischer Grundsatz: lieber ein geringeres geometrisches LOD mit vollständiger informativer Tiefe als aufwendige Geometrie ohne Attribute. Dieser Ansatz spart Modellierungszeit, ohne die Nutzbarkeit für Mengenermittlung oder Betrieb zu beeinträchtigen.
Diese Punkte helfen bei der LOD/LoI-Abstimmung im Projekt:
- LoI-Anforderungen projektspezifisch im IDS festhalten, nicht pauschal übernehmen
- Geometrische Detailtiefe auf das für Koordination notwendige Maß begrenzen
- Attributvollständigkeit vor optischer Modellqualität priorisieren
- Abstimmung mit dem Auftraggeber zu Betriebs- und FM-Anforderungen früh einholen
Modellprüfung und Qualitätssicherung: IDS-Checks und automatische Validierungen
IDS-Checks prüfen, ob Pflicht-Psets vorhanden sind, ob Werte innerhalb plausibler Bereiche liegen und ob Bauteile korrekt mit Räumen verknüpft sind. Ein Transformator ohne RatedVoltage oder eine Steckdose ohne Raumzuordnung fällt in einer sauber konfigurierten Prüfung sofort auf.
Eine bewährte Prüfsequenz läuft in mehreren Schritten ab:
- Pre-Export-Check beim Fachplaner, noch vor der Übergabe an die Koordination
- Koordinationsprüfung durch das BIM-Management mit Kollisions- und Attributabgleich
- Empfangs-Validierung beim Auftraggeber oder bei der ausführenden Firma
- Nachbearbeitung offener Punkte über dokumentierte BCF-Issues
Diese Abfolge reduziert Nacharbeit erheblich, weil Fehler früh sichtbar werden statt erst bei der Mengenermittlung oder der FM-Übergabe aufzufallen. Ein strukturierter Projektworkflow mit klaren Zuständigkeiten unterstützt genau diese Prüfschritte.
Anwendungsfälle: Mengenermittlung, Ausschreibung und Betrieb
Mengenermittlungstools benötigen präzise Mappings, etwa nach FGK-300-Logik, sowie eine eindeutige Raumzuordnung jedes Bauteils. Fehlt diese Zuordnung, lassen sich Kabellängen oder Geräteanzahlen pro Geschoss nicht automatisiert auswerten.
Für die Übergabe an den Betreiber zählen vor allem vollständige Asset-Psets und konsistente Klassifizierungsregeln, damit Instandhaltungssysteme die Daten ohne manuelle Nacharbeit übernehmen können. Diese Vorteile ergeben sich aus einer sauberen Datenbasis:
- Schnellere Ausschreibung durch automatisch generierte Leistungsverzeichnisse aus Modelldaten
- Automatisierte Plausibilitätsprüfungen bei Mengen und Systemzuordnungen
- Dashboarding für Energiemanagement und Wartungsplanung im laufenden Betrieb
- Weniger manuelle Nacherfassung beim Übergang von Planung zu Facility Management
Ein durchdachter Netzanschlussprozess verdeutlicht, wie strukturierte Planungsunterlagen bereits in frühen Projektphasen Zeit sparen.
Praxis-Tipps und häufige Fehler beim Erstellen von IFC-Elektromodellen
Der häufigste Fehler bleibt die reine Geometrielieferung ohne hinterlegte Attribute. Fast ebenso verbreitet ist eine inkonsistente Klassifizierung, bei der gleiche Bauteiltypen in unterschiedlichen Gewerken unterschiedlich benannt werden. Fehlende Psets fallen oft erst bei der Mengenermittlung auf, wenn es für eine Korrektur bereits spät ist.
Bewährt haben sich kleine Testexporte vor der eigentlichen Lieferung sowie gemeinsame Testprojekte zwischen Fachplanung und Koordination. Dokumentierte Exportprofile verhindern, dass jede Lieferung neu interpretiert werden muss.
- Pflicht-Psets vor jedem Export gegen das IDS-Profil prüfen
- Raumzuordnung und Systemtyp konsequent pflegen
- Wertebereiche stichprobenartig auf Plausibilität kontrollieren
Profi-Tipp: Ein dokumentiertes Exportprofil, das einmal gemeinsam mit der Koordination abgestimmt wurde, spart bei jeder weiteren Lieferung erneute Abstimmungsrunden.
In der Projektarbeit sollte die Ausführungsplanung elektrotechnischer Anlagen auf vollständige IFC4.3-Attributsätze statt auf reine Geometrielieferungen gestützt werden. IDS-Abstimmungen mit beteiligten Fachplanern werden frühzeitig durchgeführt und Modelle vor der Übergabe gegen festgelegte Pflicht-Psets geprüft. Dieses Vorgehen reduziert spätere Nachträge und liefert Auftraggebern eine belastbare Datenbasis für den Betrieb.
— Alexander Blau
Angeboten werden Ausführungsplanung inklusive Modellprüfung und IDS-Definition für elektrotechnische IFC-Modelle.

Unser Praxiswissen zu LOD/LoI-Abstimmung und operativer Modellübergabe sorgt dafür, dass Sie am Ende ein Modell erhalten, das Mengenermittlung und Betrieb tatsächlich unterstützt, nicht nur gut aussieht.
| Leistungsschritt | Inhalt |
|---|---|
| Projekt-Check | Bestandsaufnahme der elektrotechnischen Anforderungen |
| IDS-Definition | Festlegung der Pflicht-Psets gemeinsam mit Fachplanern |
| Ausführungsplanung | Modellierung inklusive Modellprüfung vor Übergabe |
Profi-Tipp: Klären Sie den Umfang der IDS-Definition bereits in der Vorplanung, denn das spart in der Ausführungsplanung Abstimmungszeit.
Laut der IFC4.3-Spezifikation wurden mit der Veröffentlichung als ISO 16739 gezielt Erweiterungen für elektrotechnische Domänen aufgenommen, was die Schemawahl für viele Projekte erleichtert.
Starten Sie mit der Grundlagenermittlung oder sprechen Sie uns direkt zur Ausführungsplanung Ihres Projekts an.
FAQ
Was ist ein IFC-Modell?
Ein IFC-Modell ist eine herstellerneutrale digitale Darstellung eines Bauwerks, die Geometrie und fachspezifische Eigenschaften in einem offenen Schema speichert. Es ermöglicht den Austausch zwischen unterschiedlicher Planungssoftware, ohne dass Daten verloren gehen.
Welche IFC-Modelle gibt es?
Es gibt kein einzelnes IFC-Modell, sondern unterschiedliche Fachmodelle für Architektur, Tragwerk, Haustechnik und Elektrotechnik, die jeweils eigene Klassen und Property Sets nutzen. Für elektrotechnische Anlagen kommen etwa IfcTransformer und IfcDistributionElement mit den zugehörigen Psets zum Einsatz.
Was ist der Unterschied zwischen BIM und IFC?
BIM bezeichnet die Arbeitsmethode, bei der Bauwerksdaten modellbasiert über den gesamten Lebenszyklus verwaltet werden. IFC ist dagegen das offene Datenformat nach ISO 16739, über das diese Modelldaten softwareunabhängig ausgetauscht werden.
Welche IFC-Versionen gibt es?
Neben älteren Versionen wie IFC2x3 und IFC4 gilt IFC4.3 als aktuelle Version, die als ISO 16739 genormt wurde und erweiterte Unterstützung für Domänen wie Elektrotechnik sowie Infrastruktur bietet. Für elektrotechnische Projekte empfiehlt sich in der Regel IFC4.3 als Basis.
Welche Psets sind für elektrotechnische IFC-Modelle verpflichtend?
Verpflichtend sind projektabhängig, aber typischerweise umfassen sie Pset_ElectricalDeviceCommon für Geräte und Pset_TransformerTypeCommon für Transformatoren. Welche Eigenschaften im Einzelfall Pflicht sind, legt das projektspezifische IDS-Profil fest.
Quellen
- Pset_ElectricalDeviceCommon – IFC4.3.2.0 Documentation
- Pset_TransformerTypeCommon – IFC4.3 Documentation
- buildingSMART Deutschland – DIN EN ISO 16739‑1:2024 ist erschienen
- Arbeitshilfe Datenaustausch – Bundesbau
- Use Case: IFC‑basierte Mengenermittlung | buildingSMART Use Cases

