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Gute Elektroplanung beginnt früher als viele denken

Die teuersten Änderungen in einem Bauprojekt sind die, die spät kommen. Ein zusätzlicher Serverraum in der Ausführungsplanung verschiebt Trassen, Verteilungen und möglicherweise die Anschlussleistung. Derselbe Serverraum, zu Projektbeginn benannt, ist eine Zeile in einer Liste. Die HOAI bildet diese Vorarbeit in Anlage 15 ab. Das Mitwirken bei der Bedarfsplanung für komplexe Nutzungen steht dort als Besondere Leistung der Grundlagenermittlung, das Erstellen des technischen Teils eines Raumbuchs als Besondere Leistung der Vorplanung. Beides sind Leistungen, die vereinbart werden müssen, und beide entscheiden darüber, wie oft später umgeplant wird.

gutachter

Bedarfsplanung ohne Fachchinesisch

Bedarfsplanung klärt, was ein Gebäude können muss, bevor darüber gesprochen wird, wie es aussieht. DIN 18205 beschreibt dafür ein geordnetes Vorgehen. Zuerst wird die Ausgangslage des Projekts geklärt, dann werden die Ziele festgelegt, danach werden Informationen gesammelt und bewertet, und am Ende steht ein Bedarfsplan, gegen den sich spätere Entwürfe prüfen lassen. Der Begriff Bedarf meint dabei schlicht das, was gebraucht wird, um die beabsichtigte Nutzung zu ermöglichen.

Für die Elektrotechnik ist das weniger abstrakt, als es klingt. Die richtige Frage an den Nutzer lautet, was in einem Raum passieren soll. Aus der Antwort ergibt sich die Zahl der Steckdosen fast von selbst. Wer dagegen direkt nach der Steckdosenzahl fragt, ohne die Nutzung zu kennen, landet regelmäßig bei Standardlösungen, die am Bedarf vorbeigehen.

Welche Angaben die Elektroplanung wirklich braucht

Nutzer und Betreiber wissen fast immer, wie sie arbeiten werden. Sie wissen nur selten, welche dieser Information für die Technik entscheidend ist. Deshalb lohnt es sich, gezielt zu fragen, und zwar in der Sprache des Nutzers statt in der des Planers.

Was der Nutzer weißWonach gefragt wirdWas davon abhängt
Wer wo arbeitetAnzahl der Arbeitsplätze je Raum, Schichtbetrieb, Besprechungs- und BesucherflächenBeleuchtungskonzept, Steckdosenzahl, Datenanschlüsse, Zonierung der Steuerung
Welche Geräte betrieben werdenGeräteliste mit Leistung, Anschlussart und Gleichzeitigkeit, SonderverbraucherLeistungsbilanz, Verteilungsstruktur, Netzanschluss
Was nicht ausfallen darfServer, Kühlung, Produktion, medizinische Geräte, zulässige AusfallzeitenErsatzstromversorgung, unterbrechungsfreie Versorgung, Redundanz
Wer Zutritt bekommtZutrittsbereiche, Schließkonzept, Videoüberwachung, BesucherführungSicherheitstechnik, Türsteuerung, Verkabelung und Schnittstellen
Was sich ändern wirdGeplante Erweiterungen, wechselnde Mieter, Elektrifizierung von Fuhrpark oder HeizungReserven in Verteilungen und Trassen, Dimensionierung des Hausanschlusses
Wer die Anlage betreibtEigenes Personal oder Dienstleister, vorhandene Systeme im BestandWartungskonzept, Produktauswahl, Umfang der Dokumentation

 

Besonders wertvoll sind Angaben zu Dingen, die sich ändern werden. Eine Erweiterung der Produktion in drei Jahren, der schrittweise Aufbau von Ladepunkten auf dem Hof oder der geplante Umstieg auf eine Wärmepumpe verändern die Leistungsbilanz erheblich. Wer sie früh kennt, legt Trassen, Verteilungen und Hausanschluss einmal richtig aus und spart den zweiten Netzanschluss.

Fehlen Angaben zu diesem Zeitpunkt noch, gehört die getroffene Annahme schriftlich festgehalten. Dann ist später nachvollziehbar, auf welcher Grundlage geplant wurde, und eine Abweichung lässt sich als Änderung behandeln statt als Planungsfehler.

Wann ein technisches Raumbuch Nutzen bringt

Ein Raumbuch erfasst für jeden Raum, was dort gefordert ist. Der technische Teil enthält die Anforderungen der Gebäudetechnik, also Beleuchtungsstärke, Anzahl und Art der Anschlüsse, Datenpunkte, Sicherheits- und Meldetechnik, Anforderungen an Raumklima und Steuerung. Daraus entsteht eine gemeinsame Grundlage für Bauherr, Architekt, Fachplaner und Nutzer, die jederzeit nachvollziehbar macht, warum ein Raum so geplant wurde.

Sinnvoll ist das Raumbuch, wenn viele Räume mit unterschiedlichen Anforderungen zusammenkommen, etwa in Schulen, Laboren, Pflegeeinrichtungen, Hotels oder Verwaltungsgebäuden. Es lohnt sich ebenso, wenn mehrere Nutzer oder Abteilungen beteiligt sind und ihre Wünsche sonst über Einzelgespräche und Mails verteilt bleiben, wenn ein Projekt in Abschnitten gebaut wird, oder wenn ein Betreiber einheitliche Standards über mehrere Liegenschaften hinweg einhalten will. Bei einem Bürogebäude mit wenigen, gleichartigen Raumtypen genügt dagegen oft eine Beschreibung der Ausstattungsstandards je Raumtyp.

Ein Raumbuch wirkt nur, wenn es gepflegt wird. Es braucht einen Verantwortlichen, einen festen Stand zu jeder Leistungsphase und eine klare Regel, wer Änderungen einträgt. Ein Raumbuch, das nach der Vorplanung nicht mehr angefasst wird, erzeugt falsche Sicherheit, weil alle Beteiligten sich darauf berufen, während die Planung längst weitergelaufen ist.

Was später nachgereichte Anforderungen kosten

Kommen Nutzeranforderungen erst in der Ausführungsplanung, entsteht Mehrarbeit an mehreren Stellen gleichzeitig. Berechnungen werden wiederholt, Pläne überarbeitet, Mengen und Kostenberechnung stimmen nicht mehr, und Abstimmungen mit anderen Gewerken beginnen von vorn. Die HOAI sieht für solche Fälle vor, dass Änderungen des Leistungsumfangs nach Auftragserteilung eine Anpassung des Honorars nach sich ziehen. Der Bauherr zahlt diese Schleife also zweimal, einmal in der Planung und oft ein zweites Mal in der Ausführung. Eine früh geführte Bedarfsklärung ist dagegen vergleichsweise günstig. Hinzu kommt der Termindruck, weil Nachträge im laufenden Bau mehrere Gewerke gleichzeitig aufhalten und Lieferzeiten für Verteilungen oder Transformatoren nicht beliebig verkürzbar sind.

Fazit

Bedarfsplanung und technisches Raumbuch sind die Vorarbeit, die später niemand sieht, deren Fehlen aber jeder merkt. Weil die HOAI beides als Besondere Leistung einordnet, gehören sie zu Projektbeginn in den Vertrag, mit klarem Umfang und benannten Verantwortlichkeiten. Wer Nutzer und Betreiber früh an den Tisch holt, plant einmal statt zweimal. IET-Berlin erarbeitet technische Anforderungen gemeinsam mit Bauherren und Nutzern, bevor die Elektroplanung in die Umsetzung geht.

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