Fachkoordination ist etwas anderes als Projektsteuerung
Die Abgrenzung lohnt vorweg, weil beides gern verwechselt wird. Projektsteuerung nach AHO Heft 9 arbeitet gewerkeübergreifend in den fünf Handlungsbereichen Organisation, Qualitäten, Kosten, Termine und Verträge. Sie ist eine eigene Leistungsdisziplin mit eigenem Honorar und gehört nicht zum Leistungsbild der Fachplanung.
Die Fachkoordination dagegen schon. Sie betrifft das eigene Gewerk und seine Schnittstellen, und die HOAI beschreibt sie über alle Leistungsphasen hinweg. In der Vorplanung gehört das Klären fachübergreifender Prozesse, Randbedingungen und Schnittstellen zu den Grundleistungen, ebenso das Mitwirken beim Abstimmen der Leistungen mit den Planungsbeteiligten. In der Entwurfsplanung kommt das Abstimmen des Platzbedarfs hinzu, in der Ausführungsplanung das Abstimmen der Ausführungszeichnungen mit Objektplaner und übrigen Fachplanern, in der Objektüberwachung das Mitwirken bei der Koordination der am Projekt Beteiligten. Wer diese Leistungen als Nebensache behandelt, lässt Grundleistungen aus.
Die Sprache der Verordnung ist dabei aufschlussreich. Sie spricht von Mitwirken, Abstimmen und Klären, nicht von Anweisen oder Entscheiden. Der Fachplaner führt das Projekt nicht, er bringt sein Gewerk in die Entscheidungen der anderen ein und holt sich umgekehrt die Informationen, die er für seine eigene Planung braucht. Genau das ist Moderation im Wortsinn.
Welche weichen Leistungen hart projektentscheidend sind
Die folgende Übersicht zeigt, wo diese Leistungen stehen und was ohne sie passiert. Auffällig ist, dass fast alle Punkte Fehler betreffen, die sich in der Planung mit einem Telefonat lösen lassen und auf der Baustelle mit einem Nachtrag.
| Leistung | Wo sie in der HOAI steht | Was ohne sie passiert |
| Schnittstellen klären und erläutern | Grundleistung in der Vorplanung, fachübergreifende Prozesse und Randbedingungen | Lücken zwischen den Gewerken, die erst auf der Baustelle auffallen |
| Platzbedarf abstimmen | Grundleistung in der Entwurfsplanung | Technikzentralen und Trassen, die für die geplante Anlage zu klein sind |
| Angaben an die Tragwerksplanung | Grundleistung in der Entwurfsplanung, Durchführungen und Lasten | Nachträgliche Kernbohrungen, im Extremfall statische Probleme |
| Ausführungszeichnungen abstimmen | Grundleistung in der Ausführungsplanung, mit Objektplaner und übrigen Fachplanern | Kollisionen im Deckenhohlraum und im Schacht |
| Mitwirken bei der Koordination der Beteiligten | Grundleistung in der Objektüberwachung | Gewerke arbeiten aneinander vorbei, Termine verschieben sich |
| Dokumentation zusammenstellen | Grundleistung in der Objektüberwachung | Übergabe verzögert sich, der Betreiber kann die Anlage nicht sauber betreiben |
Warum das in der Elektrotechnik besonders auffällt
Kaum ein Gewerk berührt so viele andere. Heizung, Lüftung und Kälte brauchen Strom und Steuersignale, Aufzüge und Türen brauchen Anschlüsse und Meldungen, Brandschutz verlangt Abschaltungen und Ansteuerungen, die Gebäudeautomation führt Daten aus allen Richtungen zusammen. Dazu kommt, dass die Elektrotechnik als eines der letzten Gewerke in die Ausführung geht und deshalb die Fehler der anderen mit aufsammelt. Ein zu klein geratener Schacht fällt beim Rohbau niemandem auf und beim Einziehen der Kabel sofort. Umgekehrt braucht die Elektroplanung Angaben, die andere liefern müssen, etwa Leistungsdaten von Maschinen, Lüftungsgeräten oder Aufzügen. Kommen sie spät, verschiebt sich die eigene Planung, obwohl sie fertig sein könnte.
Verstärkt wird das durch Technik, die neu hinzugekommen ist. Ladeinfrastruktur, Speicher, Photovoltaik, Wärmepumpen und die Anforderungen an Gebäudeautomation und Monitoring binden den Elektroplaner an Stellen ein, an denen er früher nicht gefragt war, etwa beim Netzbetreiber, beim Energiekonzept und bei Betriebsfragen. Die eigentliche Planungsleistung verändert sich dadurch weniger als die Zahl der Beteiligten, mit denen sie abgestimmt werden muss.
Was das praktisch bedeutet
Für Planungsbüros heißt das, Abstimmung als Leistung zu behandeln und nicht als Störung des Tagesgeschäfts. Dazu gehört eine gewerkeübergreifende Schnittstellenliste, die gepflegt wird und in die Leistungsverzeichnisse einfließt, ein fester Stand der Pläne je Leistungsphase, und die Angewohnheit, mündlich Vereinbartes schriftlich festzuhalten. Offene Punkte gehören mit Verantwortlichem und Termin dokumentiert, und zwar auch dann, wenn die Antwort von einem anderen Gewerk kommen muss.
Für Bauherren heißt es, diese Arbeit einzuplanen. Wer den Fachplaner erst nach der Entwurfsplanung einbindet, spart in der frühen Phase Honorar und zahlt es in der Ausführung mehrfach zurück. Und wer vom Elektroplaner gewerkeübergreifende Steuerung erwartet, sollte sie beauftragen, statt sie vorauszusetzen. In kleineren Projekten ohne eigenen Projektsteuerer lohnt die Frage zu Projektbeginn, wer die gewerkeübergreifende Koordination übernimmt und wie sie vergütet wird.
Fazit
Das Aufgabenbild des Fachplaners Elektrotechnik ist breiter geworden, ohne dass sich die HOAI geändert hätte. Die koordinierenden und dokumentierenden Leistungen standen schon immer in den Grundleistungen, nur ihr Anteil an der Arbeit ist gewachsen. Wer sie ernst nimmt, verhindert die Fehler, die sich in der Planung billig und in der Ausführung teuer beheben lassen. IET-Berlin versteht Fachkoordination und Abstimmung als Teil der Planungsleistung und benennt klar, wo Aufgaben über das Leistungsbild der Fachplanung hinausgehen.

