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Das Aufgabenbild des Elektroplaners verschiebt sich vom Zeichnen zum Moderieren

Wer sich die Arbeitswoche eines Fachplaners Elektrotechnik ansieht, findet darin weniger Zeichnen, als das Berufsbild vermuten lässt. Ein großer Teil geht für Abstimmungen drauf, für Rückfragen aus anderen Gewerken, für das Klären von Übergabepunkten und für Dokumentation. Das wirkt wie Arbeit neben der eigentlichen Planung. Tatsächlich steht der größte Teil davon als Grundleistung in der HOAI, und ohne diese Leistungen entstehen genau die Fehler, die später teuer werden.

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Fachkoordination ist etwas anderes als Projektsteuerung

Die Abgrenzung lohnt vorweg, weil beides gern verwechselt wird. Projektsteuerung nach AHO Heft 9 arbeitet gewerkeübergreifend in den fünf Handlungsbereichen Organisation, Qualitäten, Kosten, Termine und Verträge. Sie ist eine eigene Leistungsdisziplin mit eigenem Honorar und gehört nicht zum Leistungsbild der Fachplanung.

Die Fachkoordination dagegen schon. Sie betrifft das eigene Gewerk und seine Schnittstellen, und die HOAI beschreibt sie über alle Leistungsphasen hinweg. In der Vorplanung gehört das Klären fachübergreifender Prozesse, Randbedingungen und Schnittstellen zu den Grundleistungen, ebenso das Mitwirken beim Abstimmen der Leistungen mit den Planungsbeteiligten. In der Entwurfsplanung kommt das Abstimmen des Platzbedarfs hinzu, in der Ausführungsplanung das Abstimmen der Ausführungszeichnungen mit Objektplaner und übrigen Fachplanern, in der Objektüberwachung das Mitwirken bei der Koordination der am Projekt Beteiligten. Wer diese Leistungen als Nebensache behandelt, lässt Grundleistungen aus.

Die Sprache der Verordnung ist dabei aufschlussreich. Sie spricht von Mitwirken, Abstimmen und Klären, nicht von Anweisen oder Entscheiden. Der Fachplaner führt das Projekt nicht, er bringt sein Gewerk in die Entscheidungen der anderen ein und holt sich umgekehrt die Informationen, die er für seine eigene Planung braucht. Genau das ist Moderation im Wortsinn.

Welche weichen Leistungen hart projektentscheidend sind

Die folgende Übersicht zeigt, wo diese Leistungen stehen und was ohne sie passiert. Auffällig ist, dass fast alle Punkte Fehler betreffen, die sich in der Planung mit einem Telefonat lösen lassen und auf der Baustelle mit einem Nachtrag.

LeistungWo sie in der HOAI stehtWas ohne sie passiert
Schnittstellen klären und erläuternGrundleistung in der Vorplanung, fachübergreifende Prozesse und RandbedingungenLücken zwischen den Gewerken, die erst auf der Baustelle auffallen
Platzbedarf abstimmenGrundleistung in der EntwurfsplanungTechnikzentralen und Trassen, die für die geplante Anlage zu klein sind
Angaben an die TragwerksplanungGrundleistung in der Entwurfsplanung, Durchführungen und LastenNachträgliche Kernbohrungen, im Extremfall statische Probleme
Ausführungszeichnungen abstimmenGrundleistung in der Ausführungsplanung, mit Objektplaner und übrigen FachplanernKollisionen im Deckenhohlraum und im Schacht
Mitwirken bei der Koordination der BeteiligtenGrundleistung in der ObjektüberwachungGewerke arbeiten aneinander vorbei, Termine verschieben sich
Dokumentation zusammenstellenGrundleistung in der ObjektüberwachungÜbergabe verzögert sich, der Betreiber kann die Anlage nicht sauber betreiben

 

Warum das in der Elektrotechnik besonders auffällt

Kaum ein Gewerk berührt so viele andere. Heizung, Lüftung und Kälte brauchen Strom und Steuersignale, Aufzüge und Türen brauchen Anschlüsse und Meldungen, Brandschutz verlangt Abschaltungen und Ansteuerungen, die Gebäudeautomation führt Daten aus allen Richtungen zusammen. Dazu kommt, dass die Elektrotechnik als eines der letzten Gewerke in die Ausführung geht und deshalb die Fehler der anderen mit aufsammelt. Ein zu klein geratener Schacht fällt beim Rohbau niemandem auf und beim Einziehen der Kabel sofort. Umgekehrt braucht die Elektroplanung Angaben, die andere liefern müssen, etwa Leistungsdaten von Maschinen, Lüftungsgeräten oder Aufzügen. Kommen sie spät, verschiebt sich die eigene Planung, obwohl sie fertig sein könnte.

Verstärkt wird das durch Technik, die neu hinzugekommen ist. Ladeinfrastruktur, Speicher, Photovoltaik, Wärmepumpen und die Anforderungen an Gebäudeautomation und Monitoring binden den Elektroplaner an Stellen ein, an denen er früher nicht gefragt war, etwa beim Netzbetreiber, beim Energiekonzept und bei Betriebsfragen. Die eigentliche Planungsleistung verändert sich dadurch weniger als die Zahl der Beteiligten, mit denen sie abgestimmt werden muss.

Was das praktisch bedeutet

Für Planungsbüros heißt das, Abstimmung als Leistung zu behandeln und nicht als Störung des Tagesgeschäfts. Dazu gehört eine gewerkeübergreifende Schnittstellenliste, die gepflegt wird und in die Leistungsverzeichnisse einfließt, ein fester Stand der Pläne je Leistungsphase, und die Angewohnheit, mündlich Vereinbartes schriftlich festzuhalten. Offene Punkte gehören mit Verantwortlichem und Termin dokumentiert, und zwar auch dann, wenn die Antwort von einem anderen Gewerk kommen muss.

Für Bauherren heißt es, diese Arbeit einzuplanen. Wer den Fachplaner erst nach der Entwurfsplanung einbindet, spart in der frühen Phase Honorar und zahlt es in der Ausführung mehrfach zurück. Und wer vom Elektroplaner gewerkeübergreifende Steuerung erwartet, sollte sie beauftragen, statt sie vorauszusetzen. In kleineren Projekten ohne eigenen Projektsteuerer lohnt die Frage zu Projektbeginn, wer die gewerkeübergreifende Koordination übernimmt und wie sie vergütet wird.

Fazit

Das Aufgabenbild des Fachplaners Elektrotechnik ist breiter geworden, ohne dass sich die HOAI geändert hätte. Die koordinierenden und dokumentierenden Leistungen standen schon immer in den Grundleistungen, nur ihr Anteil an der Arbeit ist gewachsen. Wer sie ernst nimmt, verhindert die Fehler, die sich in der Planung billig und in der Ausführung teuer beheben lassen. IET-Berlin versteht Fachkoordination und Abstimmung als Teil der Planungsleistung und benennt klar, wo Aufgaben über das Leistungsbild der Fachplanung hinausgehen.

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