Kurz gesagt:
- Die Norm verlangt für Steckdosenstromkreise bis 32 A in Innenräumen Fehlerstromschutz mit höchstens 30 mA; verteilen Sie die Kreise auf mehrere Schutzschalter.
- In Gruppenbüros mit mehreren Arbeitsgruppen hilft ein zusätzlicher Steckdosenkreis; Großraumbüros brauchen zonierte Kreise, und Teeküchen sowie Klimageräte jeweils eigene Stromkreise.
- Ein eigener Stromkreis für die IT ist vor allem bei Servern mit USV, hohen Verfügbarkeitsanforderungen oder störungsempfindlichen Geräten begründet; normale Bürorechner benötigen ihn meist nicht.
- Beziehen Sie Nutzer, IT und Gebäudeverwaltung vor dem Rohbau ein und erfassen Sie Geräte je Raum, damit spätere Nachrüstungen seltener nötig werden.
Welche Grundprinzipien gelten für die Stromkreisaufteilung im Büro?
Drei Ziele bestimmen jede saubere Aufteilung: Verfügbarkeit, Fehlerbegrenzung und Wartbarkeit. Fällt ein Stromkreis aus, soll das möglichst wenige Arbeitsplätze treffen. Genau darauf zielt die Normforderung, Endstromkreise nicht an einem einzigen Schutzorgan zu bündeln.

DIN VDE 0100‑410 verlangt, dass Steckdosen‑Endstromkreise bis 32 A in Innenräumen über Fehlerstrom‑Schutzeinrichtungen mit einem Bemessungsdifferenzstrom von höchstens 30 mA geschützt werden. Die Norm empfiehlt außerdem, die Endstromkreise auf mehrere RCDs zu verteilen. Wer alle Büros einer Etage hinter einen einzigen Fehlerstromschutzschalter hängt, riskiert bei einem Defekt am Wasserkocher den Stillstand der ganzen Etage.
Was Sie bei der Bedarfsermittlung berücksichtigen sollten:
- Welche Geräte stehen tatsächlich an den Arbeitsplätzen, und welche kommen in den nächsten Jahren dazu?
- Welche Räume sind kritisch, etwa Besprechungsräume mit Medientechnik oder Technikräume?
- Wo entstehen Lastspitzen, zum Beispiel in der Teeküche oder am Kopierer?
- Wie lässt sich die Anlage später erweitern, ohne den Verteiler neu aufzubauen?
Die Nutzer kennen ihre Abläufe. Die DGUV‑Experten empfehlen deshalb ausdrücklich, Vertreter der Beschäftigten in die Elektroplanung einzubeziehen. Eine Planung, die nur auf Energieeffizienz oder Kosten optimiert, übersieht schnell reale Anforderungen.
Profi-Tipp: Lassen Sie sich vor der ersten Verteilerskizze ein Geräteinventar je Raum geben. Ein Gespräch mit der Facility-Leitung kann helfen, spätere Nachrüstungen im Doppelboden zu vermeiden.
Wie sieht die Standardaufteilung je nach Bürotyp aus?
Die Bürotypen unterscheiden sich in Raumgröße, Belegungsdichte und Flexibilität. ASR A1.2 beschreibt Zellenbüro, Gruppenbüro und Großraumbüro und liefert damit die Grundlage, von der aus Sie die Elektroverteilung ableiten.
Die DGUV Information 215‑441 nennt Flächenrichtwerte für Bildschirmarbeitsplätze: 8–10 m² je Arbeitsplatz im Zellenbüro, 12–15 m² im Großraumbüro. Dieselbe Quelle sieht ein Elektrokonzept vor, das pro Raum einen eigenen Stromkreis und separate Datenleitungen enthält, damit die Nutzung flexibel bleibt. Daraus lässt sich eine belastbare Faustregel ableiten.
So gehen wir bei der Aufteilung typischerweise vor:
- Zellenbüro: Ein Steckdosenstromkreis je Raum, ein getrennter Lichtstromkreis. Ob ein Stromkreis ausreicht, hängt von der Ausstattung und den angeschlossenen Verbrauchern ab.
- Gruppenbüro: Ein Steckdosenstromkreis je Raum, bei mehr als einer Arbeitsgruppe zusätzlich ein zweiter Kreis, damit sich die Gruppen bei einem Fehler nicht gegenseitig lahmlegen.
- Großraumbüro: Zonierte Verteilung. Die Fläche wird in Zonen geteilt, jede Zone erhält eigene Steckdosenkreise, am besten auf unterschiedliche RCDs verteilt. Bodentanks oder Brüstungskanäle werden zonenweise angebunden.
- Sonderkreise: Teeküche mit Kaffeemaschine, Geschirrspüler und Wasserkocher, Server- und USV‑Räume, große Drucker und Scanner sowie Klimageräte erhalten jeweils eigene Stromkreise.
- Beleuchtung: Immer getrennt von den Steckdosen. Wer sich bei den Beleuchtungswerten absichern will, findet Hinweise zur DIN EN 12464‑1 für Büros auf unserer Website.
Bei der Zahl der Steckdosen je Arbeitsplatz gibt es keinen verbindlichen Normwert, der für alle Büros gilt. Üblich ist es, je Arbeitsplatz mehrere Steckdosen vorzusehen, damit Monitor, Rechner, Telefon, Dockingstation und Ladegeräte nicht über Mehrfachsteckleisten verkettet werden müssen. Besser planen Sie großzügig: Eine zusätzliche Steckdose kostet in der Rohbauphase wenig, im fertigen Büro dagegen viel. Praktische Hinweise dazu finden Sie in unserem Beitrag zur Planung von Steckdosen und Lichtschaltern.
Eine Sache wird gern unterschätzt: Die Raumaufteilung ändert sich im Betrieb. Wer heute ein Gruppenbüro plant, hat in fünf Jahren womöglich Einzelzellen. Reservekreise im Verteiler und genügend Platz für zusätzliche Schutzorgane halten Ihnen diesen Weg offen. Mehr zu Aufbau und Ausstattung finden Sie auf unserer Seite zur optimalen Elektroplanung für Büros.
Was verlangen die Normen bei RCD und Schutzgeräten?
Die Pflicht ist eindeutig, die Umsetzung entscheidet über die Verfügbarkeit. Wer Fehlerstromschutz nur als Pflichtübung abhakt, bekommt Anlagen, die ständig ohne erkennbaren Grund auslösen.
Steckdosen‑Endstromkreise bis 32 A in Innenräumen müssen laut DIN VDE 0100‑410 (VDE 0100‑410):2018‑10 über RCDs mit einem Bemessungsdifferenzstrom von höchstens 30 mA geschützt werden. Auch für Büroarbeitsplätze sind die geltenden Anforderungen an den Fehlerstromschutz zu beachten.
Was daraus für die Praxis folgt:
- Verteilen Sie die Endstromkreise auf mehrere RCDs, statt alles hinter einen Schalter zu hängen. Die Norm empfiehlt diese Aufteilung ausdrücklich, auch um die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen.
- Setzen Sie FI/LS‑Schalter (RCBO) ein, wo einzelne Kreise besonders kritisch sind. Ein Fehler löst dann nur den betroffenen Kreis aus, nicht die ganze Gruppe.
- Berücksichtigen Sie die Ableitströme elektronischer Geräte. Schaltnetzteile, Monitore und Drucker erzeugen in Summe Ableitströme, die bei zu vielen Geräten an einem RCD zu Fehlauslösungen führen.
- Wählen Sie bei Bedarf stoßstromfeste oder verzögerte RCDs, wie in den Auszügen der Norm empfohlen.
Der Normtext betont dabei, dass bei zunehmend elektronischen Geräten die Aufteilung der Lastströme mitgedacht werden muss. Das war vor zwanzig Jahren noch kaum ein Thema. In modernen Büros mit vielen elektronischen Geräten kann eine durchdachte Aufteilung der Lastströme dazu beitragen, Fehlauslösungen zu vermeiden.
Wann lohnt sich ein getrennter EDV‑Stromkreis?
Nicht jeder Rechner braucht einen eigenen Kreis. Die Trennung ist ein Werkzeug für besondere Fälle, kein Standard.
Für normale Büroarbeitsplätze genügt in der Regel der Raumstromkreis. Eine Trennung rechtfertigen vor allem diese Kriterien:
- Kritische IT‑Installationen wie Server oder Netzwerkverteiler mit USV
- Hohe Verfügbarkeitsanforderungen, etwa im Rechenzentrum der Hausverwaltung oder bei Callcentern
- Elektromagnetisch empfindliche Geräte, deren Betrieb durch Störungen anderer Verbraucher leidet
- Betriebsvereinbarungen oder Versicherungsauflagen, die eine getrennte Absicherung fordern
Oft bringen alternative Maßnahmen mehr als ein zusätzlicher Stromkreis. Ein Überspannungsschutz nahe am Endgerät schützt zuverlässiger als eine separate Leitung ohne Schutzgerät. Dazu kommen ein sauberer Potentialausgleich, koordinierte Überspannungsschutzgeräte und eine gleichmäßige Lastverteilung auf die vorhandenen Kreise. Wie die Überspannungsschutzstufen aufeinander abgestimmt werden, haben wir im Beitrag zum Überspannungsschutzkonzept beschrieben.
Wer die Trennung trotzdem will, sollte sie begründen können. Ein Satz im Planungsprotokoll („Server hinter USV, getrennter Kreis wegen Verfügbarkeit“) klärt später viele Diskussionen.
Profi-Tipp: Trennen Sie nicht aus Gewohnheit, sondern aus Bedarf. Ein separater Kreis ohne Überspannungsschutz und ohne Potentialausgleich bringt auf dem Papier Sicherheit, in der Praxis kaum.
Wie gelingen Leitungsführung, Potentialausgleich und EMV im IT‑Bereich?
Störungen entstehen meist nicht im Stromkreis selbst, sondern an den Übergängen: zwischen Energie und Daten, zwischen Gebäudeteilen, zwischen Schutzzonen. Hier setzen die technischen Maßnahmen an.
Der Blitzplaner von DEHN empfiehlt für Übergänge zwischen den Blitzschutzzonen (LPZ) und den Schutz von Endgeräten:
- Überspannungsschutzgeräte möglichst nahe am Endgerät installieren
- Leitungsschirme in den Potentialausgleich einbeziehen
- Den Potentialausgleich niederimpedant ausführen
- Überspannungsschutzgeräte energetisch aufeinander koordinieren
- Energie‑ und Datenkabel getrennt führen und Kreuzungen möglichst rechtwinklig ausführen
- Getrennte Verteiler für Energie und Daten vorsehen
Der Punkt mit den Kreuzungen klingt kleinlich, ist aber wirksam: Parallel geführte Leitungen koppeln Störungen ein, rechtwinklige Kreuzungen minimieren das.
Schritt für Schritt: So planen Sie die Stromkreisaufteilung
- Bedarf ermitteln: Nutzer befragen, Geräteinventar je Raum erstellen, Arbeitsplatztypen festlegen, wie von DGUV und ASR empfohlen.
- Konzept entwerfen: Stromkreise den Räumen zuordnen, Schutzkonzept mit RCD oder RCBO festlegen, Überspannungsschutz definieren.
- Mit der IT abstimmen: Server, USV und Netzwerkverteiler klären, Datenleitungen und Energieverteilung zusammen denken.
- Dokumentieren: Stromkreisliste, Verteilerpläne und Schutzkonzept so festhalten, dass spätere Umbauten nachvollziehbar bleiben.
- Prüfen und in Betrieb nehmen: Messungen durchführen, Auslösewerte kontrollieren, Protokolle ablegen, Nutzer einweisen.
Warum die frühe Abstimmung mit IT und Facility mehr spart als jede Normdiskussion
Meine Einschätzung nach Blick auf die Normlage: Die häufigste Fehlannahme ist nicht, dass jemand die DIN VDE nicht kennt, sondern dass Planung als reine Normerfüllung verstanden wird. Typische Fehler sind eine fehlende Nutzerbefragung, zu wenige Steckdosen und alle Kreise hinter einem einzigen RCD. Das alles lässt sich am Reißbrett für wenig Geld beheben, im bezogenen Büro nur mit Stemmarbeiten. Wer IT und Facility Management früh an einen Tisch holt, spart Störungen und Nachträge. Beauftragen Sie die Planung deshalb vor dem Rohbau, nicht danach.
Wie wir Sie bei der Stromkreisplanung unterstützen

Wir planen Ihre Stromkreisaufteilung so, dass sie im Betrieb trägt und nicht nur die Prüfung besteht. Dazu gehören:
- Grundlagenermittlung mit Nutzerbefragung und Geräteinventar
- Vor‑, Entwurfs‑ und Ausführungsplanung mit Schutz‑ und Überspannungskonzept
- Bauüberwachung bis zur Inbetriebnahme
Besonders sinnvoll ist unsere Beteiligung in der frühen Planungsphase und bei komplexen IT‑ oder USV‑Anforderungen. Sprechen Sie uns an: Wir klären mit Ihnen in der Grundlagenermittlung, welche Aufteilung zu Ihrem Gebäude passt.
FAQ
Wie viele Stromkreise sollte man pro Raum einplanen?
In der Regel genügt ein Steckdosenstromkreis je Raum, dazu ein getrennter Lichtstromkreis. Die DGUV Information 215‑441 sieht pro Raum einen eigenen Stromkreis vor. Bei größeren Räumen oder Sonderverbrauchern wie Teeküchen kommen weitere Kreise hinzu.
Muss man Steckdosen‑ und Lichtstromkreise trennen?
Ja, in der Praxis ist die Trennung der Standard. Fällt ein Steckdosenkreis aus, bleibt das Licht an, und umgekehrt. Das erhöht Sicherheit und Verfügbarkeit, auch weil der Fehlerstromschutz für Steckdosen nach DIN VDE 0100‑410 ohnehin gesondert behandelt wird.
Wie viele Steckdosen sollte man pro Arbeitsplatz haben?
Einen verbindlichen Normwert für alle Büros gibt es nicht. Planen Sie großzügig, sodass Monitor, Rechner, Telefon und Ladegeräte ohne verkettete Mehrfachsteckdosen auskommen. Die Zahl hängt vom Arbeitsplatztyp ab und sollte mit den Nutzern abgestimmt werden.
Wie kann man Stromkreise sinnvoll aufteilen?
Teilen Sie nach Räumen und Zonen auf, verteilen Sie die Kreise auf mehrere RCDs und führen Sie Sonderverbraucher wie Teeküche, Server oder Klimageräte auf eigenen Kreisen. Halten Sie Reserven im Verteiler vor, damit spätere Umbauten ohne Neuaufbau möglich bleiben.
Quellen
- DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10
- 9.10.3 Potentialausgleich für Anlagen der Informationstechnik | Blitzplaner

