Vier Begriffe mit unterschiedlicher Aufgabe
DALI-2 ist die aktuelle Generation des genormten DALI-Protokolls nach IEC 62386. Neben den Betriebsgeräten sind hier auch Steuergeräte wie Sensoren und Taster standardisiert und zertifiziert, was den gemischten Einsatz von Produkten verschiedener Hersteller verlässlich macht. D4i baut darauf auf und regelt die Kommunikation innerhalb der Leuchte. Ein D4i-Betriebsgerät stellt Leuchten-, Energie- und Diagnosedaten bereit, etwa Betriebsstunden, Verbrauch und Störungen.
Wireless-to-DALI und DALI+ lösen die Funkanbindung auf zwei verschiedenen Wegen. Ein Wireless-to-DALI-Gateway übersetzt zwischen einem Funkökosystem, derzeit Bluetooth NLC, dem Profil der Bluetooth SIG für vernetzte Lichtsteuerung, oder Zigbee, und einer vorhandenen DALI-Linie. Hinter dem Gateway bleibt alles kabelgebunden. Bei DALI+ laufen die DALI-Befehle direkt über ein IP-basiertes Netz, zunächst über das Funkmesh Thread, eine Übersetzung entfällt. Bridges verbinden ein DALI+-Netz mit kabelgebundenen DALI-Anlagen.
| Technik | Was sie leistet | Übertragung | Typischer Einsatz |
| DALI-2 | Aktuelle Generation des DALI-Protokolls nach IEC 62386, zertifiziert auch für Sensoren und Taster | Zweiadriger Steuerbus, je Linie bis zu 64 Betriebsgeräte und 64 Steuergeräte | Kabelgebundene Lichtsteuerung in Neubau und Sanierung |
| D4i | DALI innerhalb der Leuchte, Betriebsgerät liefert Leuchten-, Energie- und Diagnosedaten | Leuchteninterne Verbindung, häufig über standardisierte Zhaga-Sockel | Datenbasis für Wartung und Energiemonitoring |
| Wireless-to-DALI | Gateway übersetzt zwischen Funkökosystem und vorhandener DALI-Linie | Bluetooth NLC oder Zigbee auf der Funkseite, DALI-Kabel dahinter | Anbindung bestehender DALI-Linien an ein Funksystem |
| DALI+ | DALI-Befehle direkt über IP- und Funknetze, ohne Protokollübersetzung | Zunächst Thread als Funkmesh, Bridges zum kabelgebundenen DALI | Drahtlose DALI-Systeme und Mischanlagen |
| Stand September 2026. Welche Produkte aktuell zertifiziert sind, zeigt die öffentliche Produktdatenbank der DALI Alliance. | |||
Wo drahtlose Nachrüstung im Bestand sinnvoll ist
Ihre Vorteile spielt die Funktechnik vor allem dort aus, wo Leitungen nur mit großem Aufwand nachzurüsten sind. Das betrifft Gebäude im laufenden Betrieb wie Hotels, Büros oder Schulen, in denen Deckenöffnungen Nutzung und Termine stören. Es betrifft Baudenkmäler, in denen Eingriffe in die Substanz abgestimmt werden müssen, und Bereiche mit Schadstoffverdacht in Decken oder Wänden. Auch Mietflächen mit häufigen Grundrissänderungen profitieren, weil sich Gruppen und Szenen ohne neue Verkabelung umkonfigurieren lassen.
Bevor Funk geplant wird, lohnt allerdings der Blick auf die vorhandenen Leitungen. DALI darf gemeinsam mit der Netzspannung in einer Leitung geführt werden. Freie Adern in bestehenden fünfadrigen Leitungen reichen deshalb oft schon für eine kabelgebundene Steuerung, ganz ohne neue Trassen. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme zeigt, wo das möglich ist und wo Funk tatsächlich die bessere Wahl ist.
Besonders interessant ist die Kombination. Vorhandene DALI-Linien in einzelnen Etagen bleiben erhalten, ein Gateway oder eine Bridge bindet sie in ein übergeordnetes Funknetz ein, und neue Sensoren oder Taster kommen drahtlos hinzu. Das passt zur erweiterten Pflicht zur automatischen Beleuchtungssteuerung, die das Gebäudemodernisierungsgesetz für viele Nichtwohngebäude bis Ende 2029 vorsieht. Im Neubau oder bei ohnehin geöffneten Decken bleibt die kabelgebundene DALI-Linie meist die robustere und günstigere Lösung.
Grenzen bei Funk und Interoperabilität
Stahlbetondecken, Metalldecken und Brandschutzverkleidungen dämpfen Funksignale, und ein Mesh-Netz funktioniert nur mit ausreichend dicht verteilten Knoten. Die Funkausbreitung sollte deshalb vor der Planung im Gebäude geprüft werden. Gateways sind außerdem an ein Ökosystem gebunden. Ein Bluetooth-NLC-Gateway kommuniziert nicht mit einem Zigbee-Netz, die Wahl des Funkprotokolls ist also eine Systementscheidung für die Lebensdauer der Anlage. Die Zertifizierung sichert die genormten Funktionen, herstellerspezifische Zusatzfunktionen fallen nicht darunter. Sicherheitsbeleuchtung folgt eigenen Normen und wird in der Planung getrennt von der Komfortsteuerung betrachtet. Und mit dem Cyber Resilience Act der EU gelten ab Dezember 2027 verbindliche Sicherheitsanforderungen für neu in Verkehr gebrachte vernetzte Produkte, was Updatefähigkeit und Herstellerpflege zu echten Auswahlkriterien macht.
Betreiber und Wartung von Anfang an einbinden
Eine drahtlose Anlage ist im Alltag nur so gut wie ihre Dokumentation. Netzwerkschlüssel, Adressen, Gruppen und Szenen müssen bei der Übergabe vollständig vorliegen, und der Betreiber muss wissen, wer Änderungen vornehmen darf. Fehlen diese Daten, lässt sich ein defektes Gateway kaum ohne erneute Inbetriebnahme ersetzen. Batteriebetriebene Taster oder Sensoren brauchen, sofern sie eingesetzt werden, einen Plan für den Batteriewechsel. Firmware-Updates sollten vertraglich geregelt sein, ebenso die Frage, wer sie einspielt. Die D4i-Daten bringen erst dann einen Nutzen, wenn jemand sie auswertet und daraus Wartungseinsätze ableitet. Beim späteren Austausch einzelner Komponenten zahlt sich die Zertifizierung aus, weil geprüfte Produkte verschiedener Hersteller zusammenpassen.
Fazit
Die Entwicklung seit der Light + Building 2026 läuft auf Mischsysteme hinaus. Kabelgebundenes DALI bleibt das Rückgrat, Funk ergänzt es dort, wo neue Leitungen im Bestand zu teuer oder zu störend wären, und die neuen Zertifizierungen machen diese Kombination herstellerübergreifend planbar. Entscheidend sind eine Funkprüfung vor Ort, eine bewusste Wahl des Ökosystems und eine Übergabe, mit der der Betreiber tatsächlich arbeiten kann. IET-Berlin bezieht diese Punkte bei der Planung von Lichtsteuerungen in Bestandsgebäuden von Beginn an ein.

