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Digitalisierung in der Elektrotechnik 2026

Die Digitalisierung in der Elektrotechnik verändert Neubau- und Modernisierungsprojekte grundlegend. Virtualisierte Schutzsysteme, IoT-Plattformen und digitale Zwillinge ermöglichen es Bauherren und Architekten heute, Energiekosten erheblich zu senken, CO2-Emissionen zu reduzieren und Flächen effizienter zu nutzen. Laut Siemens lassen sich durch digitalisierte Lösungen bis zu 50 % CO2 einsparen und gleichzeitig die Betriebskosten um 25 % senken.

gutachter

Dieser Artikel erläutert, welche Kerntechnologien den Markt prägen, wie sich Modernisierung und Neubau im digitalen Kontext unterscheiden, welche Herausforderungen zu bewältigen sind und welche Erfolgsfaktoren über den Return-on-Invest entscheiden.

Kurze Artikelübersicht

PunktDetails
Hohe EinsparpotenzialeDigitalisierte Elektrotechnik kann den CO2-Ausstoß und die Kosten in Bauprojekten drastisch senken.
Neue Technologien verstehenVirtualisierung, digitale Zwillinge und IoT sind Kernbausteine moderner Projekte.
Modernisierung lohnt sichMit modularen Lösungen profitieren auch Bestandsgebäude von der Digitalisierung.
Sicherheit und Integration planenCybersicherheit und Einbindung vorhandener Technik sind entscheidend für nachhaltigen Erfolg.

Kerntechnologien Der Digitalisierung In Der Elektrotechnik

Die technologische Basis der modernen Elektrotechnik hat sich in den letzten Jahren fundamental gewandelt. Klassische, physisch aufwendige Schaltanlagen weichen zunehmend virtualisierten Systemen, die mehr Flexibilität, weniger Platzbedarf und deutlich einfachere Wartung bieten. Dieser Wandel betrifft nicht nur Großprojekte, sondern zunehmend auch mittelgroße Gewerbebauten und Wohnkomplexe.

Ein prägnantes Beispiel liefert Siemens mit dem System Siprotec V: Es ermöglicht bis zu 60 virtuelle IEDs auf einer einzigen Hardwareplattform und erzielt dabei eine Platzersparnis von 45 % gegenüber konventionellen Installationen. Für Architekten und Projektentwickler bedeutet das konkret: weniger Technikfläche, geringere Baukosten und mehr Nutzfläche im Gebäude.

Parallel dazu etablieren sich IoT-basierte Plattformen als Standard in der Gebäudeautomation. Schneider Electric bietet mit der EcoStruxure Plattform eine Lösung, die Energieüberwachung, Steuerung und Diagnose in Echtzeit ermöglicht. Bauherren erhalten damit ein vollständiges Bild ihres Energieverbrauchs, können Lastspitzen erkennen und gezielt gegensteuern, bevor Kosten entstehen.

Der aktuell wichtigste Trend ist der Einsatz digitaler Zwillinge. Dabei wird ein virtuelles Abbild der gesamten elektrotechnischen Anlage erstellt, das in Echtzeit mit dem physischen System synchronisiert wird. Das VDE beschreibt digitale Zwillinge als Schlüsseltechnologie für intelligente, flexible Netze der Zukunft. Planungsfehler lassen sich so bereits in der Simulationsphase erkennen und korrigieren, bevor auch nur ein Kabel verlegt wird.

Zentrale Technologien im Überblick:

  • Virtualisierte Schutz- und Steuerungssysteme (z. B. Siemens Siprotec V)
  • IoT-Plattformen zur Echtzeit-Energieüberwachung (z. B. Schneider EcoStruxure)
  • Digitale Zwillinge für Planung und Betrieb
  • Modulare Bussysteme wie KNX für skalierbare Gebäudeautomation
  • Smart Meter 2026 als Pflichtkomponente in Neubauten

Statistik: Virtualisierte Systeme wie Siprotec V reduzieren den Platzbedarf in Umspannwerken und Technikräumen um bis zu 45 %, was direkte Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit eines Bauprojekts hat.

Profi-Tipp: Planen Sie digitale Zwillinge bereits in der Leistungsphase 2 (Vorplanung) ein. Wer diese Technologie erst in der Ausführungsplanung integriert, verliert einen erheblichen Teil des Effizienzgewinns.

Vergleich: Modernisierung versus Neubau – Was bringt Digitalisierung wo am meisten?

Nachdem die Technologien vorgestellt wurden, beleuchtet dieser Abschnitt den praktischen Vergleich im Projektalltag. Die Frage, ob Modernisierung oder Neubau die bessere Wahl ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt vom Gebäudebestand, den Zielen des Bauherrn und dem verfügbaren Budget ab.

Bei Neubauten liegt der Vorteil in der vollständigen Planungsfreiheit. Digitale Infrastruktur kann von Grund auf integriert werden: strukturierte Verkabelung, zentrale Gebäudeautomation, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und Photovoltaik als Gesamtkonzept. Der Planungsaufwand ist höher, aber die Synergieeffekte sind erheblich.

Unser Team entwickelt ein Konzept für die digitale Elektroinstallation im Besprechungsraum.

Bei Modernisierungen hingegen zeigt sich ein anderes Bild. Schneider Electric hat mit der Initiative Renovation Rebels klar Stellung bezogen: Modulare Systeme wie KNX und Wiser ermöglichen schrittweise Modernisierungen ohne vollständige Neuinstallation. Das reduziert Kosten, Ausfallzeiten und den Eingriff in die bestehende Bausubstanz erheblich.

KriteriumNeubauModernisierung
PlanungsfreiheitSehr hochBegrenzt durch Bestand
InvestitionskostenHochModerat bis hoch
CO2-EinsparpotenzialBis 50 %Bis 35 %
UmsetzungszeitLangKürzer, schrittweise
FlexibilitätVollständig integrierbarModular erweiterbar
ROI-Zeitraum8 bis 12 Jahre5 bis 8 Jahre

Grafik: Digitalisierung im Vergleich – Neubau versus Modernisierung

Die Elektroindustrie insgesamt erzielt laut einer Studie des ZVEI bereits 20 % Umsatzanteil durch digitale Innovationen. Das zeigt: Der Markt hat die Transformation bereits vollzogen. Bauherren, die jetzt noch auf analoge Systeme setzen, riskieren Wertverluste und Nachrüstungskosten in wenigen Jahren.

Typische Entscheidungsszenarien für Bauherren:

  1. Bürogebäude aus den 1990er-Jahren: Modernisierung mit KNX-Bussystem und IoT-Monitoring ist wirtschaftlich sinnvoller als Abriss und Neubau.
  2. Gewerblicher Neubau ab 5.000 m²: Vollintegration von digitalem Zwilling, EcoStruxure und Ladeinfrastruktur von Beginn an.
  3. Wohnkomplex mit Bestandsanlagen: Schrittweise Digitalisierung über Bestandsanlagen in Wohngebäuden mit modularen Erweiterungen.
  4. Schulgebäude oder öffentliche Einrichtung: Elektroinstallation modernisieren mit Fokus auf Energieeffizienz und Fördermitteln.

Sicherheit, Integration und Skalierung

Wer Digitalisierung im Gebäude anstrebt, trifft auf spezifische Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Die häufigsten Hürden sind nicht technischer, sondern organisatorischer und sicherheitstechnischer Natur.

Die größte Einzelherausforderung ist die Cybersicherheit. Vernetzte elektrotechnische Anlagen sind angreifbar. Der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) hat dafür verbindliche Sicherheitsstandards definiert, die bei der Planung und Ausführung zwingend einzuhalten sind. Wer diese Standards ignoriert, riskiert nicht nur Betriebsunterbrechungen, sondern auch erhebliche Haftungsrisiken gegenüber Nutzern und Versicherern.

„Die Integration von Altanlagen in neue digitale Systeme erfordert sorgfältige Planung und die strikte Einhaltung aktueller Cybersicherheitsstandards, um Schwachstellen von Beginn an auszuschließen.“ – Fachbericht zu Umspannwerken und Digitalisierung

Ein weiteres Problem ist die Integration bestehender Anlagen. Ältere Systeme verwenden proprietäre Protokolle, die nicht ohne weiteres mit modernen IoT-Plattformen kommunizieren. Hier sind Gateway-Lösungen und sorgfältige Protokollanalysen notwendig. Die Kosten für diese Schnittstellenarbeit werden in Projekten regelmäßig unterschätzt.

Typische Herausforderungen und bewährte Lösungsansätze:

  • Cybersicherheit: Einsatz von BDEW-konformen Firewalls, Segmentierung von IT- und OT-Netzen, regelmäßige Penetrationstests
  • Legacy-Integration: Gateway-Adapter für Modbus, BACnet und DALI, schrittweise Migration statt Komplettaustausch
  • Skalierbarkeit: Modulare Systemarchitektur von Beginn an einplanen, Erweiterungsreserven in Kabeltrassen und Verteilerräumen vorsehen
  • Qualifikation: Fachplaner und ausführende Betriebe müssen mit digitalen Systemen vertraut sein, reine Elektrohandwerker reichen nicht aus

Profi-Tipp: Beauftragen Sie bereits in der Planungsphase ein unabhängiges Cybersicherheits-Audit. Nachträgliche Sicherheitsmaßnahmen kosten erfahrungsgemäß drei- bis fünfmal mehr als präventive Maßnahmen in der Planung.

Für Projekte, bei denen elektrische Systeme modernisiert werden sollen, empfiehlt sich eine strukturierte Bestandsaufnahme aller vorhandenen Komponenten als erster Schritt, bevor Digitalisierungsmaßnahmen definiert werden.

Praxisbeispiele und Erfolgsfaktoren für Digitalisierungsvorhaben

Praktische Beispiele und bewährte Methoden machen die vorangegangenen Abschnitte anfassbar. Konkrete Projekterfahrungen zeigen, welche Faktoren tatsächlich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Bei realisierten Projekten mit Siemens-Technologie wurden bis zu 50 % CO2-Reduktion in der Energieversorgung von Zweckgebäuden nachgewiesen. Diese Ergebnisse sind keine Ausnahme, sondern reproduzierbar, wenn Planung, Systemauswahl und Inbetriebnahme professionell koordiniert werden.

Schneider Electric begleitet mit seiner Renovation Rebels Roadshow Bauherren und Planer bis 2026 durch praxisnahe Demonstrationen modularer Modernisierungslösungen. Das Ziel: zeigen, dass Modernisierung mit digitalen Systemen wirtschaftlich und ökologisch überlegen ist.

ProjekttypEingesetzte TechnologieCO2-EinsparungKosteneinsparungROI-Zeitraum
Umspannwerk NeubauSiemens Siprotec VBis 50 %Bis 25 %7 Jahre
Bürogebäude ModernisierungSchneider EcoStruxureBis 35 %Bis 20 %6 Jahre
Wohnkomplex ModernisierungKNX + WiserBis 25 %Bis 15 %5 Jahre
Gewerbepark NeubauDigitaler Zwilling + IoTBis 45 %Bis 22 %8 Jahre

Die kostenbewusste Elektroplanung ist dabei ein entscheidender Hebel. Projekte, die Digitalisierung von Anfang an als integralen Bestandteil der Planung verstehen, erzielen deutlich bessere Ergebnisse als solche, die digitale Komponenten nachträglich ergänzen.

Erfolgsfaktoren für einen schnellen ROI:

  1. Frühzeitige Einbindung eines erfahrenen Elektrotechnik-Fachplaners ab Leistungsphase 1
  2. Klare Definition der Ziele: Energieeinsparung, Flächenoptimierung oder Betriebskostenreduktion
  3. Systemauswahl auf Basis offener Protokolle (KNX, BACnet, MQTT) für maximale Zukunftssicherheit
  4. Schulung des Betriebspersonals bereits während der Inbetriebnahme
  5. Kontinuierliches Monitoring und Optimierung nach Inbetriebnahme über IoT-Dashboard

Eine begleitende Maßnahme, die häufig unterschätzt wird, ist die bauliche Qualität der Gebäudehülle. Energieeffizienz durch moderne Innentüren und Dämmmaßnahmen ergänzt die elektrotechnische Digitalisierung und verbessert die Gesamtbilanz eines Projekts spürbar. Für Bauherren, die aktuelle Trends in der Elektrotechnik verfolgen, ist dieser ganzheitliche Ansatz heute Standard.

Digitalisierung ist mehr als Technik

Praxisbeispiele zeigen den Weg. Doch hinter den Zahlen verbirgt sich eine unbequeme Wahrheit: Die meisten gescheiterten Digitalisierungsvorhaben in der Elektrotechnik scheitern nicht an fehlender Technologie, sondern an mangelnder Vorbereitung der beteiligten Menschen und Prozesse.

Ein neues IoT-System löst keine Probleme, wenn das Betriebspersonal nicht weiß, wie es die Daten interpretieren soll. Ein digitaler Zwilling bringt keinen Mehrwert, wenn Planer und Ausführende nicht in derselben Datenumgebung arbeiten. Wir erleben in der Praxis regelmäßig, dass hochwertige Systeme nach der Inbetriebnahme auf manuelle Bedienung zurückgestellt werden, weil die Einführung nicht konsequent begleitet wurde.

Der eigentliche Erfolgshebel liegt in der vertrauensvollen Integration aller Stakeholder: Bauherr, Architekt, Fachplaner, ausführendes Unternehmen und Betreiber müssen ein gemeinsames Verständnis der Ziele entwickeln. Weiterbildung ist dabei keine optionale Zusatzleistung, sondern ein verbindlicher Bestandteil jedes Digitalisierungsprojekts. Wer Projekterfolge in der Modernisierung dauerhaft sichern will, investiert mindestens ebenso viel in Prozesse und Menschen wie in Hardware und Software.

Ihre nächsten Schritte mit IET-Berlin: Kompetente Planung für die Digitalisierung

Nach dieser tiefgehenden Einordnung zeigt der folgende Abschnitt, wie Sie Ihr Bauvorhaben aktiv mit Unterstützung von IET-Berlin weiterbringen. Als erfahrener Fachplaner für Elektrotechnik in Berlin, Brandenburg und bundesweit begleitet IET-Berlin GmbH Bauherren, Architekten und Projektentwickler von der ersten Konzeptidee bis zur abgeschlossenen Inbetriebnahme.

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Ob Neubau oder Modernisierung: IET-Berlin entwickelt individuelle, zukunftssichere Lösungen, die Energieeffizienz, Digitalisierung und Wirtschaftlichkeit verbinden. Nutzen Sie unsere Arten innovativer Elektrotechnik-Planung als Ausgangspunkt, vertiefen Sie Ihr Wissen mit dem Leitfaden Elektrotechnikplanung oder erfahren Sie, wie effiziente Elektrotechnik-Planung Ihre Projektziele konkret unterstützt. Sprechen Sie uns an.

Häufig Gestellte Fragen

Virtualisierte Schutzsysteme, IoT-Plattformen, digitale Zwillinge und modulare Lösungen bestimmen 2026 die Elektrotechnik. IoT-Plattformen und Virtualisierung führen dabei zu messbaren Effizienzsteigerungen in Neubau- und Modernisierungsprojekten.

Wie Viel CO2 Und Kosten Lassen Sich Durch Digitalisierung Sparen?

Laut Siemens lassen sich durch digitalisierte Lösungen 50 % CO2 und 25 % Kosten einsparen. Diese Werte sind in realisierten Projekten mit virtualisierten Schutz- und Steuerungssystemen belegt.

Warum Ist Modernisierung Häufig Besser Als Neubau Für Digitale Lösungen?

Moderne Systeme wie modulare KNX- und Wiser-Lösungen ermöglichen schrittweise, kosteneffektive Modernisierungen bestehender Gebäude ohne vollständigen Rückbau. Der ROI ist bei Modernisierungen häufig schneller erreichbar als beim Neubau.

Was Sind Die Hauptbarrieren Bei Der Digitalisierung In Der Elektrotechnik?

Hauptbarrieren sind hohe Investitionskosten, Cybersicherheitsanforderungen und Unsicherheit beim Return-on-Invest. Hohe Investitionen und ROI-Unsicherheit bremsen insbesondere mittelständische Bauherren bei der Umsetzung digitaler Projekte.

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